Ratgeber · AT-R05REV. 2026-A
Der „Microsoft-Support“-Anruf und andere Betrugsmaschen – so schützen Sie sich

Von Benjamin ReichertNetzwerke, Hardware, Support · Fachinformatiker für Systemintegration (IHK)Stand:
Wie die Masche funktioniert
Der Ablauf ist fast immer gleich. Ein angeblicher Mitarbeiter ruft unaufgefordert an und behauptet, es gebe ein Problem mit Ihrem Computer. Um „zu helfen“, bittet er Sie, ein Programm zu installieren oder eine Webseite zu öffnen – damit verschafft er sich Fernzugriff auf Ihren Bildschirm. Anschließend zeigt er Ihnen harmlose Systemmeldungen, die er als „Beweis“ für die angebliche Infektion ausgibt, und baut Druck auf: Jetzt sofort müsse etwas getan werden, sonst drohe Datenverlust.
Am Ende steht immer eine Forderung: eine Zahlung für die „Reparatur“, der Kauf einer „Sicherheitssoftware“ oder die Eingabe Ihrer Bankdaten. Manchmal wird auch verlangt, Gutscheinkarten zu kaufen und die Codes durchzugeben oder Bargeld an einem Bitcoin-Automaten einzuzahlen. Wer den Fernzugriff gewährt hat, riskiert außerdem, dass tatsächlich Schadsoftware installiert oder Passwörter ausgespäht werden.
Woran Sie den Betrug erkennen
Es gibt klare Warnzeichen. Wenn eines davon zutrifft, sollten alle Alarmglocken läuten:
- Microsoft, Ihr Internetanbieter oder Ihre Bank rufen Sie niemals unaufgefordert an, um Sie auf einen Virus hinzuweisen. Solche Anrufe sind praktisch immer Betrug.
- Es wird Druck und Eile erzeugt – seriöse Hilfe drängt nicht.
- Jemand will Fernzugriff auf Ihren Computer, obwohl Sie ihn nicht darum gebeten haben.
- Es wird eine Zahlung verlangt, besonders über ungewöhnliche Wege wie Gutscheinkarten oder Kryptowährung.
- Man fragt nach Passwörtern, PINs oder Bankdaten.
Die einfachste Regel lautet: Nicht der Gesprächspartner entscheidet darüber, ob ein Kontakt echt ist, sondern der Weg, auf dem er zustande kam. Wer Sie unaufgefordert anruft, ist verdächtig. Und eine Rufnummer, die Ihnen Ihr Computer selbst anzeigt, ist es genauso. Verlässlich ist nur die Nummer, die Sie in Ihren eigenen Unterlagen finden. Sie dürfen jederzeit einfach auflegen – das ist nicht unhöflich, das ist klug.
Die umgekehrte Variante: das Warnfenster im Browser
Inzwischen läuft die Masche häufiger andersherum. Beim Surfen springt ein Fenster auf, das aussieht wie eine Windows-Warnung: mit Sirenenton und der Meldung, Ihr Computer sei gesperrt, dazu eine Nummer für den „Microsoft-Support“. Oft lässt sich das Fenster nicht mehr schließen, manchmal übernimmt es den ganzen Bildschirm. Wer dann anruft, landet bei denselben Leuten wie beim Anruf von außen – nur mit dem Gefühl, selbst die Initiative ergriffen zu haben.
Eine Telefonnummer, die in einem Warnfenster steht, gehört zur Masche. Weder Microsoft noch Ihr Virenschutz blenden eine Support-Nummer ein. Rufen Sie dort nicht an. Schließen Sie stattdessen das Browserfenster mit Alt+F4; hilft das nicht, öffnen Sie mit Strg+Umschalt+Esc den Task-Manager und beenden Sie den Browser darüber. In aller Regel ist Ihr Computer danach unversehrt – das Fenster war eine Webseite, kein Befund.
Was tun, wenn Sie schon reagiert haben?
Kein Grund zur Panik, aber handeln Sie zügig:
- Trennen Sie die Verbindung. Beenden Sie das Fernzugriffs-Programm und trennen Sie den Computer vom Internet (WLAN aus oder Netzwerkkabel ziehen).
- Entfernen Sie die Fernwartungssoftware. Das Schließen des Fensters beendet nur die laufende Sitzung. Häufig richten die Täter dabei einen dauerhaften Zugang ein: Das Programm startet mit Windows und trägt das Kennwort bereits hinterlegt bei sich. Deinstallieren Sie es deshalb vollständig, im Zweifel im abgesicherten Modus von Windows.
- Ändern Sie Ihre wichtigen Passwörter von einem anderen, sicheren Gerät aus – besonders für E-Mail und Online-Banking.
- Informieren Sie Ihre Bank, wenn Sie Bankdaten preisgegeben oder eine Zahlung veranlasst haben. Lassen Sie gegebenenfalls Karten sperren.
- Erstatten Sie Anzeige. Das geht bei jeder Polizeidienststelle und in den meisten Bundesländern auch online über die Internetwache. Halten Sie die angezeigte Rufnummer, Datum und Uhrzeit des Anrufs, genannte Namen und Ihre Zahlungsbelege bereit. Für ein Rückbuchungsverfahren verlangen Banken die Anzeige ohnehin häufig.
- Lassen Sie den Computer prüfen. Wurde Fernzugriff gewährt, sollte fachkundig kontrolliert werden, ob Schadsoftware installiert wurde.
Rechnen Sie außerdem damit, dass sich später noch einmal jemand meldet – angeblich von einer Behörde oder von einem Dienst, der Ihr Geld zurückholt. Wer einmal gezahlt hat, steht auf einer Liste, die unter Betrügern weitergereicht wird. Auch dieser zweite Kontakt ist dieselbe Masche mit umgekehrtem Vorzeichen: Am Ende sollen Sie wieder zahlen oder wieder Fernzugriff gewähren. Eine Rückerstattung klären Sie mit Ihrer Bank, nicht am Telefon mit Unbekannten.
So schützen Sie sich in Zukunft
Der beste Schutz ist ein kurzer Moment des Innehaltens. Lassen Sie sich nicht drängen, geben Sie niemandem Fernzugriff, den Sie nicht selbst kontaktiert haben, und sprechen Sie im Zweifel mit jemandem, dem Sie vertrauen, bevor Sie etwas tun. Ein aktueller Virenschutz und regelmäßige Updates helfen zusätzlich – aber gegen einen Anruf hilft vor allem gesundes Misstrauen.
Im Zweifel fragen Sie bei uns in Rodewisch nach
Der Unterschied zwischen uns und dem angeblichen „Support“ am Telefon: Wir sitzen hier in Rodewisch, mit Adresse und Handelsregistereintrag, und unsere Nummer steht im Impressum dieser Website statt in einem Warnfenster. Wir rufen Sie nur an, wenn Sie es veranlasst haben. Wenn Sie unsicher sind, ob mit Ihrem Computer etwas nicht stimmt, oder befürchten, auf eine Masche hereingefallen zu sein, prüfen wir Ihr Gerät gründlich und richten einen verlässlichen Schutz ein.