Ratgeber · AT-R13REV. 2026-A
Bei ChatGPT gefunden werden: So prüfen Sie Ihre Sichtbarkeit selbst
Immer mehr Menschen fragen nicht mehr Google nach einer Liste, sondern eine KI nach einer Empfehlung. „Welcher Elektriker im Vogtland ist gut?" „Wer kann mir bei einer Dachsanierung helfen?" Die Antwort besteht aus zwei, drei Namen. Steht Ihrer nicht dabei, existiert Ihr Betrieb für diesen Kunden nicht. Warum das eine eigene Disziplin neben dem klassischen SEO ist, erklärt der Ratgeber „SEO, AEO, GEO: Was der Unterschied ist".
Ob Sie in diesen Antworten vorkommen, können Sie selbst herausfinden. Kostenlos und ohne Anmeldung bei irgendwas; zehn Minuten reichen. Diese Anleitung zeigt, wie Sie sauber testen und die zwei häufigsten Messfehler vermeiden.
Vorbereitung: So testen Sie, wie ein Fremder
Der wichtigste Handgriff kommt vor der ersten Frage: Testen Sie nicht in Ihrem eigenen Konto. KI-Assistenten merken sich Gesprächsverläufe. Wer öfter über den eigenen Betrieb geschrieben hat, bekommt Antworten, in denen der eigene Name auffällig oft vorkommt. Das fühlt sich gut an und ist wertlos, denn Ihr Kunde hat diesen Verlauf nicht.
Deshalb: privates Browserfenster, ausgeloggt, oder die Websuche der Assistenten ohne Konto. So sehen Sie ungefähr das, was ein Fremder sieht. Ganz exakt wird es nie, dazu gleich mehr.
Die fünf Testfragen
Stellen Sie die folgenden Fragen nacheinander, am besten in mindestens zwei Systemen. ChatGPT und die KI-Übersicht der Google-Suche sind die wichtigsten, Perplexity lohnt als drittes. Ersetzen Sie Branche und Ort durch Ihre eigenen.
1. Die Anbieterfrage: „Welche Dachdecker gibt es im Vogtland?" Das ist die Grundfrage. Sie zeigt, ob die KI Ihren Betrieb überhaupt kennt.
2. Die Empfehlungsfrage: „Welchen Dachdecker im Vogtland empfiehlst du?" Eine Stufe schärfer. Hier filtert die KI auf die Namen, für die sie Belege gefunden hat: Bewertungen etwa, oder eine klare Leistungsbeschreibung.
3. Die Problemfrage: „Mein Dach ist undicht, wer kann mir in Plauen helfen?" So fragen echte Kunden: mit dem Problem, nicht mit der Branchenbezeichnung. Wenn Sie hier auftauchen, sind Ihre Inhalte gut mit echten Anliegen verknüpft.
4. Die Markenfrage: „Was weißt du über [Ihr Firmenname] in [Ihr Ort]?" Jetzt wird es persönlich. Prüfen Sie die Antwort auf Richtigkeit: Stimmen Leistungen, Adresse und Öffnungszeiten? Eine falsche Antwort ist oft schädlicher als gar keine, denn sie schickt Kunden in die Irre.
5. Die Vergleichsfrage: „Was unterscheidet [Ihr Firmenname] von anderen Anbietern in der Region?" Die Königsdisziplin. Hier sehen Sie, ob die KI Ihr Profil geschärft hat oder nur Allgemeinplätze zusammenwürfelt.
Das Protokoll: Was Sie notieren sollten
Machen Sie es kurz und schriftlich, drei Spalten reichen: Welche Frage, wer wurde genannt, wurden Sie genannt. Notieren Sie auch die Namen Ihrer Wettbewerber, die auftauchen. Das ist unbequem, aber es ist die ehrlichste Marktforschung, die Sie kostenlos bekommen können: Diese Namen bekommen gerade die Kunden empfohlen, die Sie nicht bekommen.
Wiederholen Sie den Test nach vier Wochen mit denselben Fragen. Erst der Vergleich über die Zeit macht aus einer Momentaufnahme eine Messung.
Die zwei häufigsten Messfehler
Fehler eins: der eigene Verlauf. Haben wir oben schon behandelt, ist aber so häufig, dass er zweimal erwähnt gehört. Wer im eingeloggten Konto testet, misst die Höflichkeit der KI, nicht die eigene Sichtbarkeit.
Fehler zwei: der Alltagswort-Effekt. Wenn Ihr Firmenname auch ein normales Wort ist, etwa ein Nachname oder ein Ortsname, dann mischen die Systeme bei der Markenfrage gern Treffer aus ganz anderen Zusammenhängen dazu. Das verzerrt das Ergebnis. Testen Sie in dem Fall immer mit Firmenname plus Ort, nie mit dem Namen allein.
Und eine generelle Einordnung: KI-Antworten schwanken. Dieselbe Frage kann morgen leicht anders beantwortet werden, andere Nutzer können andere Antworten sehen. Ein einzelner Test ist ein Indiz, kein Urteil. Deshalb testen wir bei unseren Berichten jede Frage über mehrere Systeme hinweg und dokumentieren Datum und Methode.
Was tun, wenn Sie nicht vorkommen?
Erst mal: Willkommen in der Mehrheit. Die meisten kleinen und mittleren Betriebe sind in KI-Antworten heute unsichtbar, auch solche mit guter Website und vollen Auftragsbüchern. Die Systeme empfehlen, was sie lesen und belegen können, und genau daran fehlt es meistens. Die Hebel in Kurzform:
Maschinenlesbar werden. Strukturierte Daten auf der Website, die Name, Leistungen, Ort und Öffnungszeiten eindeutig ausweisen. Was eine Maschine nicht sicher lesen kann, empfiehlt sie nicht. Voraussetzung ist, dass Google die Website überhaupt kennt — falls nicht, hilft der Ratgeber „Warum findet Google meine Website nicht?".
Überall dasselbe erzählen. Name, Adresse, Telefonnummer und Leistungen müssen auf der Website, im Google-Profil und in den Verzeichnissen exakt übereinstimmen. Widersprüche machen Maschinen vorsichtig.
Antworten liefern. Inhalte, die echte Kundenfragen direkt beantworten, sind das Material, aus dem KI-Empfehlungen gebaut werden.
Spuren außerhalb der eigenen Website legen. Bewertungen, Presseerwähnungen und Einträge bei Vereinen oder Verbänden. Eine Empfehlung braucht Belege von Dritten.
Häufige Fragen
Kostet der Selbsttest etwas?
Nein. Alle genannten Systeme lassen sich für diese Fragen kostenlos nutzen.
Wie oft sollte ich testen?
Einmal im Monat mit denselben Fragen reicht, um eine Entwicklung zu sehen. Wichtiger als die Häufigkeit ist, dass Fragen und Methode gleich bleiben.
Mein Wettbewerber wird genannt, ich nicht. Warum?
Fast immer, weil über ihn mehr lesbares Material existiert: strukturierte Website-Daten, konsistente Einträge, Bewertungen, Erwähnungen. Selten, weil er besser ist. Sichtbarkeit und Qualität sind zwei verschiedene Baustellen.
Reicht der Selbsttest, oder brauche ich eine richtige Messung?
Der Selbsttest zeigt Ihnen in zehn Minuten, ob ein Problem existiert. Für das Warum und die Reihenfolge der Lösungen braucht es eine systematische Messung über mehrere Fragen und Systeme hinweg, samt der technischen Faktoren dahinter.