Ratgeber · AT-R10REV. 2026-A
WLAN, das auch in der Werkhalle trägt
Im Büro läuft es. In der Halle bricht es ab.
Der übliche erste Versuch ist ein Repeater aus dem Elektromarkt, irgendwo in der Mitte in eine Steckdose gesteckt. Danach ist es minimal besser, aber immer noch unbrauchbar. Also kommt ein zweiter Repeater dazu. Und ab da wird es schlechter statt besser.
Das liegt nicht am Repeater. Das liegt daran, dass eine Halle funktechnisch etwas völlig anderes ist als ein Büro.
Warum Repeater hier scheitern
Ein Repeater empfängt das Signal und sendet es noch einmal aus. Über dieselbe Funkstrecke. Das heißt, er hört und spricht abwechselnd auf demselben Kanal.
Ergebnis: Der Durchsatz halbiert sich. Bei zwei hintereinandergeschalteten Repeatern bleibt ein Viertel übrig.
Dazu kommt das eigentliche Problem. Ein Repeater kann nur weitergeben, was er selbst noch sauber empfängt. Steht er dort, wo das Signal schon schwach ist, verteilt er ein schwaches Signal. Nur eben in schlechter.
Was in einer Halle mit dem Funk passiert
Metall reflektiert. Regale voller Ware dämpfen. Ein Hochregallager mit Stahlträgern ist funktechnisch eine Ansammlung von Wänden, die es im Grundriss gar nicht gibt.
Und das ändert sich ständig. Ein Regal wird umgeräumt, ein Lkw steht im Tor, ein Stapler parkt vor dem Access Point. Was gestern gemessen wurde, kann heute anders aussehen.
Deshalb funktioniert die Planung nach Grundriss in einer Halle nicht. Man muss messen, und zwar im laufenden Betrieb.
2,4 oder 5 GHz? Beides, aber gezielt
Kurz und praktisch:
2,4 GHz kommt weiter und geht besser durch Hindernisse, ist dafür langsam und meistens überfüllt. Es gibt nur drei Kanäle, die sich nicht überlappen. Alles, was der Nachbarbetrieb funkt, liegt mit drin.
5 GHz ist deutlich schneller und hat viel mehr Kanäle, kommt aber nicht so weit und mag keine Wände.
6 GHz (Wi-Fi 6E und 7) ist noch schneller und praktisch leer. Reichweite entsprechend gering, und die Geräte müssen es können. In einer Halle mit Handscannern von 2019 nützt es Ihnen nichts.
Für die Halle heißt das in aller Regel: 5 GHz als Arbeitsband, 2,4 GHz zusätzlich für alte Geräte und die Randbereiche. Nicht entweder oder.
Was stattdessen funktioniert
Access Points mit Kabel. Jeder Access Point bekommt eine Netzwerkleitung, die ihn gleichzeitig mit Strom versorgt (Power over Ethernet). Damit entfällt sowohl die Steckdose als auch die Halbierung des Durchsatzes. Das Kabelziehen ist der unbeliebte Teil, und es ist trotzdem der wichtigste.
Mehrere kleine statt einer großen. Es gibt immer wieder den Wunsch nach dem einen starken Gerät, das die ganze Halle abdeckt. Funktioniert nicht. Der Access Point mag laut rufen, das Handy in der Hand des Mitarbeiters antwortet trotzdem leise. Die Verbindung ist immer nur so gut wie die schwächere Richtung.
Ein Netzname für alles. Alle Access Points senden dieselbe Kennung. Ein Gerät, das durch die Halle läuft, wird von einem zum nächsten übergeben, ohne die Verbindung zu verlieren. Das ist der Unterschied zwischen „funktioniert“ und „funktioniert, während man geht“.
Und dann messen. Nach der Installation wird abgelaufen und geprüft, wo es reicht und wo nicht. Erst danach wird nachjustiert.
Der Punkt, an dem es meistens klemmt
Handscanner, MDE-Geräte und Etikettendrucker.
Diese Geräte sind oft Jahre alt, können nur 2,4 GHz und wechseln den Access Point nicht sauber. Sie halten stur an der alten Verbindung fest, bis gar nichts mehr geht, und melden sich dann neu an. Mitten im Scanvorgang.
Wenn in Ihrer Halle solche Geräte im Einsatz sind, gehört das in die Planung. Nicht als Nachgedanke, sondern von Anfang an. Sonst steht am Ende ein technisch einwandfreies Netz, in dem ausgerechnet die Geräte klemmen, wegen denen es gebaut wurde.
Zwei Dinge, die gern vergessen werden
Gäste und Produktion gehören getrennt. Der Besucher am Empfang und die Maschinensteuerung haben nichts miteinander zu tun. Ein separates Gastnetz kostet nichts extra, wenn man es gleich mit einrichtet, und spart im Ernstfall sehr viel.
Das Kabel dahinter. Zwanzig Access Points nützen wenig, wenn sie alle an einem Switch hängen, der mit hundert Megabit ans Netz angebunden ist. Der Engpass wandert dann nur nach hinten.
Wie wir vorgehen
Erst wird geschaut, was da ist. Wie ist die Halle gebaut, was steht drin, wie oft ändert sich das, welche Geräte müssen funken und wie alt sind sie.
Dann wird gemessen. Mit einem Access Point an wechselnden Positionen, im laufenden Betrieb, nicht am Sonntag bei leerer Halle.
Danach steht fest, wie viele Geräte an welchen Stellen gebraucht werden und wo die Kabel langlaufen. Und erst dann wird bestellt.
Der Reiz, diesen Ablauf abzukürzen, ist groß. In unserer Erfahrung kostet das Abkürzen am Ende mehr als das Messen.
Kurz gesagt
Wenn in Ihrer Halle das WLAN abbricht, ist der nächste Repeater die falsche Antwort. Was Sie brauchen, ist eine Messung und danach eine Handvoll verkabelter Access Points an den richtigen Stellen.
Das ist aufwendiger als ein Gerät aus dem Karton. Es ist dafür das erste Mal, dass es danach wirklich funktioniert. Mehr zu Planung und Aufbau steht unter Netzwerktechnik & Infrastruktur.