Ratgeber · AT-R10REV. 2026-A
WLAN, das auch in der Werkhalle trägt

Von Benjamin ReichertNetzwerke, Hardware, Support · Fachinformatiker für Systemintegration (IHK)Stand:
Im Büro läuft es. In der Halle bricht es ab.
Der übliche erste Versuch ist ein Repeater aus dem Elektromarkt, irgendwo in der Mitte in eine Steckdose gesteckt. Danach ist es minimal besser, aber immer noch unbrauchbar. Also kommt ein zweiter Repeater dazu. Und ab da wird es schlechter statt besser.
Das liegt nicht am Repeater. Das liegt daran, dass eine Halle funktechnisch etwas völlig anderes ist als ein Büro.
Geht es bei Ihnen um eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus, sind die Größenordnungen andere und der Weg oft kürzer. Dafür gibt es den Ratgeber „WLAN zu Hause verbessern".
Warum Repeater hier scheitern
Ein Repeater empfängt das Signal und sendet es noch einmal aus. Über dieselbe Funkstrecke. Das heißt, er hört und spricht abwechselnd auf demselben Kanal.
Ergebnis: Der Durchsatz halbiert sich. Bei zwei hintereinandergeschalteten Repeatern bleibt ein Viertel übrig.
Dazu kommt das eigentliche Problem. Ein Repeater kann nur weitergeben, was er selbst noch sauber empfängt. Steht er dort, wo das Signal schon schwach ist, verteilt er ein schwaches Signal. Nur eben noch schlechter.
Was in einer Halle mit dem Funk passiert
Metall reflektiert. Regale voller Ware dämpfen. Ein Hochregallager mit Stahlträgern ist funktechnisch eine Ansammlung von Wänden, die es im Grundriss gar nicht gibt.
Und das ändert sich ständig. Ein Regal wird umgeräumt, ein Lkw steht im Tor, ein Stapler parkt vor dem Access Point. Was gestern gemessen wurde, kann heute anders aussehen.
Deshalb funktioniert die Planung nach Grundriss in einer Halle nicht. Man muss messen, und zwar im laufenden Betrieb.
Das Lager ist der schwierigste Fall
Schlechter Empfang im Gebäude heißt in jedem Gebäude etwas anderes. Im Bürotrakt sind es die Wände. Im Lager ist es die Ware selbst.
Entscheidend ist, was in den Regalen liegt. Einzelne Kartonagen dämpfen wenig, ganze Palettenblöcke aus Papier schon deutlich. Getränke schlucken besonders viel, weil Wasser die Funkwellen aufnimmt. Und weil der Bestand wechselt, sagt eine Messung im halb leeren Lager wenig über den Oktober, wenn alles voll steht.
Dazu kommt die Bewegung. Der Stapler mit dem Terminal fährt durch den Gang, und das Gerät muss dabei von einem Access Point zum nächsten wechseln. Ein Rundstrahler unter der Hallendecke versorgt dabei vor allem die Regaloberkanten; unten im Schmalgang kommt wenig an. Es zählt hier also nicht die Höhe, sondern die Richtung: entweder die Geräte kommen tiefer an die Gänge, dorthin, wo auch der Stapler fährt, oder sie hängen oben und strahlen mit Richtantennen gezielt in die Gänge hinein.
Kühlbereiche behandelt man am besten als eigene Zone. Isolierte Wände mit Metallschicht lassen kaum etwas durch, und ein Access Point, der von außen hineinfunken soll, schafft das nicht.
2,4 oder 5 GHz? Beides, aber gezielt
Kurz und praktisch:
2,4 GHz kommt weiter und geht besser durch Hindernisse, ist dafür langsam und meistens überfüllt. In Europa sind die Kanäle 1 bis 13 freigegeben, überlappungsfrei nutzen lassen sich davon vier (1, 5, 9 und 13). In vielen Geräten steht ab Werk trotzdem das amerikanische Schema mit nur drei Kanälen (1, 6 und 11), was den ohnehin knappen Platz zusätzlich verengt. Alles, was der Nachbarbetrieb funkt, liegt mit drin.
5 GHz ist deutlich schneller und hat viel mehr Kanäle, kommt aber nicht so weit und mag keine Wände.
6 GHz (Wi-Fi 6E und 7) ist noch schneller und praktisch leer. Reichweite entsprechend gering, und die Geräte müssen es können. In einer Halle mit Handscannern von 2019 nützt es Ihnen nichts.
Für die Halle heißt das in aller Regel: 5 GHz als Arbeitsband, 2,4 GHz zusätzlich für alte Geräte und die Randbereiche. Nicht entweder oder.
Ein Teil der 5-GHz-Kanäle ist allerdings für Radar reserviert. Hört ein Access Point auf so einem Kanal ein Radarsignal, muss er ihn räumen, und den neuen Kanal darf er erst nach einer Minute Zuhören benutzen. In Hallen nahe einem Flughafen oder einem Wetterradar ist genau das die Erklärung für das Phänomen „läuft, und plötzlich ist eine Minute lang nichts“.
Was stattdessen funktioniert
Access Points mit Kabel. Jeder Access Point bekommt eine Netzwerkleitung, die ihn gleichzeitig mit Strom versorgt (Power over Ethernet). Damit entfällt sowohl die Steckdose als auch die Halbierung des Durchsatzes. Das Kabelziehen ist der unbeliebte Teil, und es ist trotzdem der wichtigste.
Mehrere kleine statt einer großen. Es gibt immer wieder den Wunsch nach dem einen starken Gerät, das die ganze Halle abdeckt. Funktioniert nicht. Der Access Point mag laut rufen, das Handy in der Hand des Mitarbeiters antwortet trotzdem leise. Die Verbindung ist immer nur so gut wie die schwächere Richtung.
Ein Netzname für alles. Alle Access Points senden dieselbe Kennung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ein Gerät beim Gang durch die Halle überhaupt weiterziehen kann, ohne sich von Hand neu anzumelden.
Wann es weiterzieht, entscheidet aber immer das Gerät selbst. Eine Übergabe wie beim Telefonat im Mobilfunk gibt es im WLAN nicht. Das Netz kann dem Gerät den Wechsel nur schmackhaft machen: über abgestimmte Sendeleistungen, damit der nächste Access Point deutlich lauter ist als der alte, und über ein paar Zusatzstandards (im Datenblatt stehen sie als 802.11k, v und r), mit denen der Access Point dem Gerät sagt, wohin es gehen sollte. Wie gut ein Gerät darauf hört, ist von Modell zu Modell verschieden. Klappt es, ist das der Unterschied zwischen „funktioniert“ und „funktioniert, während man geht“.
Und dann messen. Nach der Installation wird abgelaufen und geprüft, wo es reicht und wo nicht. Erst danach wird nachjustiert.
Der Punkt, an dem es meistens klemmt
Handscanner, MDE-Geräte und Etikettendrucker.
Diese Geräte sind oft Jahre alt, können nur 2,4 GHz und wechseln den Access Point nicht sauber. Sie halten stur an der alten Verbindung fest, bis gar nichts mehr geht, und melden sich dann neu an. Mitten im Scanvorgang.
Wenn in Ihrer Halle solche Geräte im Einsatz sind, gehört das in die Planung. Nicht als Nachgedanke, sondern von Anfang an. Sonst steht am Ende ein technisch einwandfreies Netz, in dem ausgerechnet die Geräte klemmen, wegen denen es gebaut wurde.
Zwei Dinge, die gern vergessen werden
Gäste und Produktion gehören getrennt. Der Besucher am Empfang und die Maschinensteuerung haben nichts miteinander zu tun. Ein separates Gastnetz kostet nichts extra, wenn man es gleich mit einrichtet, und spart im Ernstfall sehr viel. Entscheidend ist dabei, was hinter dem zweiten Netznamen steckt: Ein eigener Name allein trennt gar nichts. Die Trennung entsteht erst durch ein eigenes Netzsegment und eine Regel, die den Weg vom Gastnetz ins Produktionsnetz zumacht.
Das Kabel dahinter. Zwanzig Access Points nützen wenig, wenn sie alle an einem Switch hängen, der mit hundert Megabit ans Netz angebunden ist. Der Engpass wandert dann nur nach hinten.
Wie wir vorgehen
Erst wird geschaut, was da ist. Wie ist die Halle gebaut, was steht drin, wie oft ändert sich das, welche Geräte müssen funken und wie alt sind sie.
Dann wird gemessen. Mit einem Access Point an wechselnden Positionen, im laufenden Betrieb, nicht am Sonntag bei leerer Halle.
Danach steht fest, wie viele Geräte an welchen Stellen gebraucht werden und wo die Kabel langlaufen. Und erst dann wird bestellt.
Der Reiz, diesen Ablauf abzukürzen, ist groß. In unserer Erfahrung kostet das Abkürzen am Ende mehr als das Messen.
Kurz gesagt
Wenn in Ihrer Halle das WLAN abbricht, ist der nächste Repeater die falsche Antwort. Was Sie brauchen, ist eine Messung und danach eine Handvoll verkabelter Access Points an den richtigen Stellen.
Das ist aufwendiger als ein Gerät aus dem Karton. Es ist dafür das erste Mal, dass es danach wirklich funktioniert. Mehr zu Planung und Aufbau steht unter Netzwerktechnik & Infrastruktur.
Einen Festpreis für diese Messung nennen wir nicht, weil eine Werkstatt mit 200 Quadratmetern etwas anderes ist als ein Hochregallager mit drei Gängen. Was der Termin kostet, erfahren Sie vorher. Und wenn Ihr Lager mal voll und mal halb leer steht, gehört zum Ergebnis auch die Reserve, die man dafür einplant.